Chronik

Heinz Oberdorfer/ Franz Hübner/ Dieter Jost

Der Ursprung der Schützengesellschaft Freischütz geht darauf zurück, dass der damalige Lammwirt Adolf Mergenthaler für seine schießfreudigen Gäste in seinem Nebenzimmer ein kleines Preisschießen mit dem Luftgewehr veranstaltete. Nach diesem Schießen haben sich im August 1925 acht Schützenkameraden zusammen- gefunden und die Schützengesellschaft Freischütz gegründet.

Als Oberschützenmeister wurde Franz Erdt von der Versammlung gewählt, der auch dieses Amt bis zur Auflösung unseres Vereins 1945 innehatte. Eine Schießbahn für Zimmerstutzen wurde den damaligen Verhältnissen entsprechend auf dem Wasen bei der Mündung des Feuerbachs erstellt. In dieser Bahn wurde der Schießbetrieb bis zur Regulierung des Feuerbachs im Jahre 1933 durchgeführt. Die Platzfrage war nun für den Verein ein großes Problem, so musste das Übungsschießen unter den denkbar ungünstigen Lokalitäten durchgeführt werden. Oberschützenmeister Franz Erdt ist es 1937 gelungen, in der Keltersteige einen Platz pachtweise zu erhalten. Dort wurde eine Schießbahn mit Unterkunftsräumen in Gemeinschaftsarbeit erstellt und das erste Schützenfest abgehalten.
Bei dem Fliegerangriff im Jahre 1943 auf Mühlhausen wurden in unserem Vereinslokal, dem Gasthaus Lamm, sämtliche Pokale und Ehrenpreise, sowie die Vereinsfahne, vernichtet. Den Todesstoß schien das Schützenwesen und mit ihm die Schützengesellschaft Freischütz Stuttgart-Mühlhausen, 1945 erhalten zu haben. Die Gewehre mussten abgegeben werden. Die Verblendung war damals so groß, dass zwischen einer militärischen Schießausbildung und einem sportlichen Schießen nicht mehr unterschieden werden konnte. Die Schützengesellschaft galt somit als aufgelöst.

1958 Heimatfest Mühlhausen

1958 Heimatfest Mühlhausen

Am 22.8.1953 trafen sich im Gasthaus Zum Lamm die elf Schützenkameraden, welche den Mut fanden, die Schützengesellschaft Freischütz neu zu gründen. Als Oberschützenmeister wurde Richard Wörz sen. von der Versammlung gewählt. Aller Anfang ist schwer. Es fehlten uns nicht nur die Schießbahn, sondern auch die Waffen. Unser erstes Übungsschießen fand am 30.8.1953 dank dem Entgegenkommen des 1. Z.G. Bad Cannstatt in deren Schießbahn statt, die uns diese auch bis zur Fertigstellung einer eigenen zur Verfügung gestellt hat. Dank dem Verständnis für unseren Sport hat uns die Stadt Stuttgart einen für unsere Zwecke geeigneten Platz im Park Mühlhausen pachtweise zur Verfügung gestellt.

Die Existenz der Gesellschaft war somit gesichert. Nun konnte unser Schützenkamerad Architekt Georg Schulz, die Baugesuche für das Schießhaus und die Schießanlage zur Genehmigung einreichen. Unter seiner Leitung wurde die Anlage zum größten Teil in Gemeinschaftsarbeit aufgebaut. Bereits im Herbst 1954 konnten wir unsere Schießbahn nach der behördlichen Abnahme und Genehmigung in Betrieb nehmen. Es wurden Kameradschafts- und Vergleichsschießen mit den Nachbarvereinen abgehalten. Bei den Meisterschaften konnten wir im Mannschaftsschießen sowie in der Einzelwertung beachtliche Erfolge erzielen. Seit der Inbetriebnahme unserer Schießanlage hat sich die Mitgliederzahl stark erhöht, so dass wir damals über eine stattliche Anzahl aktiver Schützen verfügten.

Jedoch die Freude an dieser schönen Schießanlage währte nicht lange; denn schon am 22. Dezember 1958 erhielt der Verein ein Kündigungsschreiben der Stadt Stuttgart mit der Begründung, dass der Platz zum Bau der heutigen Turn- und Versammlungshalle benötigt werde. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Liegenschaftsamt wurde dem Verein von der Stadt Stuttgart das heutige Gelände zugesprochen. Im Juli 1962 konnte die endgültige Genehmigung erteilt werden.

Bau des Schützenhauses

Bau des Schützenhauses

Kaum erteilt, wurde sie auch schon durch das Baustoppgesetz widerrufen. Nach weiteren Verhandlungen und Anträgen konnte dann am 15.Juli 1963 mit dem Bau des Schützenhauses begonnen werden. Zwischenzeitlich wurde eine provisorische Schießanlage mit 6 Luftgewehrständen errichtet, um den Schießbetrieb aufrechtzuerhalten. Die damals 37 Mitglieder mussten zu je 300 Arbeitsstunden verpflichtet werden, die aber um ein Vielfaches überschritten wurden. Das Richtfest unter Beteiligung vieler befreundeter Vereine fand am 26. Juli 1964 statt. Die neue Schießanlage umfasst einen Schießraum für zwölf Luftgewehre, sechs KK, sowie vier Zimmerstutzenstände. Weiter Räumlichkeiten sind ein Aufenthaltsraum für ca. 40 Schützen, ein Auswertraum, eine Gaststätte für ca. 80 Personen, Küche und Kellerräume sowie eine Wohnung für den jeweiligen Pächter der Gaststätte. Im Untergeschoss ist noch eine automatische Kegelbahn untergebracht.

Bau der Gaststätte

Bau der Gaststätte

Am 1. Mai 1965 konnte die Gaststätte und am 1. Juni 1965 die Kegelbahn eröffnet werden. Die Luftgewehrbahnen hat das Amt für öffentliche Ordnung im Juli 1965 abgenommen. Im Oktober des gleichen Jahres wurden auch die KK- und Zimmerstutzenbahnen eingeweiht. Vom 28. August 1965 bis zum 5. September feierte der Verein unter dem damaligen Vorstand Richard Wörz sen. sein 40 jähriges Bestehen und gleichzeitig die Fertigstellung des Schützenhauses mit sämtlichen Schießanlagen. Was nun folgte, war ein rasanter Aufstieg in jeder Hinsicht. Gesellschaftlich etabliert, überstand man die üblichen Höhen und Tiefen.

50 Jahre Freischütz

50 Jahre Freischütz

Von 1967-1975 war Hermann Vollmer Vorstand des Vereins. Unter seiner Leitung konnte auch das 50 jährige Vereinsjubiläum begangen werden. Nachfolger von H. Vollmer war Georg Schulz, der dieses Amt aus gesundheitlichen Gründen nur kurz ausüben konnte. Im Jahre 1972 kamen dann die ersten Pistolenschützen in den Verein. Durch die verstärkte Zunahme kam man unter dem damaligen Vorstand Hans Mack, der von 1978-1990 das Amt bekleidete, zu dem Entschluss, eine unterirdische Pistolenhalle zu bauen.

Bau der unterirdischen Pistolenbahn

Bau der unterirdischen Pistolenbahn

Nun gab es wiederum die vielen Behördengänge zu bewältigen, eine Unmenge von Auflagen zu erfüllen sowie auf Widerruf oder Zusatzbestimmungen einzelner Ämter einzugehen und neben all der Bürokratie den Bau selber voranzutreiben. Rückschläge, hervorgerufen durch unvorhersehbare bautechnische Schwierigkeiten sowie der Nachlässigkeit einzelner am Bau beteiligter Unternehmer, wurden überwunden und immer dann, wenn man nah daran war, den Mut zu verlieren, erinnerte man sich an die Leistungen beim Bau des jetzigen Schützenhauses und schöpfte daraus neuen Mut. 3850 Arbeitsstunden, das sind mehr als 75 %, leistete der Großteil der Mitglieder, den Verein kostete die gesamte Anlage 450.000 DM. In der Bauzeit mussten die Schützen mit ihren Luft- bzw. Kleinkaliberwaffen kürzer treten, da sämtliche Stände abgebaut waren.

Pistolenbahn

Pistolenbahn

Im Mai 1988 war es dann soweit. Mit Gästen aus Sport und Politik wurde die Pistolen- halle eingeweiht. Durch die Fertigstellung ermöglicht der Verein seinen Schützen nahezu alle Disziplinen des modernen Schießsports unter einem Dach auszuüben.

Durch steigende Mitgliederzahlen (170 ) erfreut sich der Verein unter Leitung von Oberschützenmeister Dieter Jost, der im Januar 1990 zum neuen Vorstand gewählt wurde, seiner Beliebtheit im Stadtbezirk.

Schützenzimmer

Schützenzimmer

1994 war es dann so weit, dass wir eine Salutschützengruppe gründeten. Was uns natürlich noch fehlte war eine Vereinsfahne. Durch ein großes Spendenaufkommen der Vereinsmitglieder konnte dies verwirklicht werden. Als Hauptmotiv wurde unser altes (ca. 130 Jahre) bleiverglaste Fenster, das in unserem Schützenzimmer sehr gut zur Geltung kommt, als Vorlage genommen. Es zeigt den „wilden Jäger Hubertus“, dem ganz unverhofft der solange gesuchte weiße Hirsch erscheint. Anstatt ihn abzuschießen, kniet er vor dem Hirsch nieder, welcher zwischen seinem Geweih ein strahlendes Kreuz trägt.

Die Fahnenweihe erfolgte dann am 21.9.1997. Seither sind wir landauf landab mit der Fahne unterwegs. Eingeladen werden wir mit unseren Vorderladerschützen zu Festumzügen, wie zum Cannstatter Volksfestumzug, zu Hochzeiten, runden Geburtstagen, Jubiläen, Schützentage und sonstigen Festen.

Der 19.9.1998 war für uns ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Wir nahmen an der Steubenparade in New York teil. Ungefähr 1.5 Millionen Zuschauer säumten die Straßen. Dabei hatten wir viele Kontakte mit Stuttgartern, die zum Teil seit 40 Jahren, und mehr, in den USA lebten.

Am 17. Juni 2000 feierten wir unseren 75. Geburtstag und konnten uns über Glückwünsche vieler befreundeter Vereine und Persönlichkeiten aus Sport und Politik freuen. Nach dem Festumzug “durch den Flecken” gab es am Abend einen Festakt in der Mühlhäuser Turn- und Festhalle mit abschließendem Unterhaltungsprogramm.